ANNA HOFBAUER

TrŸmmer

 

Anna Ebner, 2014

 

ÒThings can be unruly and disorderly, behave in ways banal, trivial or downright boring, and they may well conspire against the wish image of a readable record providing smooth access to a past or present world behind. They may, in short, simply refuse to be useful and fiercely object to the ridiculously heavy interpretative burdens that have been placed on their shoulders. And this, of course, is their damned right

 

Bj¿rnar Olsen in After Interpretation: Remembering Archaeology

 

 

Die KŸnstlerin Anna Hofbauer, die unter dem Titel TrŸmmer sieben Objekte in der Max Lust Galerie zeigt, interessiert sich fŸr ArchŠologie und deren UntersuchungsgegenstŠnde.

Das sieht man den Skulpturen, die aus Holzkonstruktionen und ungebranntem Ton zusammengesetzt sind, an. Die verschiedenfarbigen Tonarten wurden von der KŸnstlerin mit Hilfe von deren Eigengewicht und einfachen Werkzeugen geformt, dazu die Spuren von Fingern und feine Haarrisse - all das lŠsst die Assoziationen an die prŠhistorische Abteilung eines ArchŠologischen Museums aufkommen.


Und durch diese kann der Titel der Ausstellung etwas missverstŠndlich werden, vor allem au§erhalb Bayerns und …sterreichs, wo das Wort Trumm nicht mehr in der Einzahl verwendet wird und mit TrŸmmern eigentlich immer die †berreste einer Zerstšrung bezeichnet werden.

 

Mit demolierten Resten haben Anna Hofbauers Arbeiten allerdings nichts zu tun. Hier in Wien kennt man das Trumm als etwas das irgendwie da ist, dabei recht schwer und gro§ ist. Au§erhalb des Kunstkontexts kann also so manches Kunstwerk auch ein Trumm sein.

 

Die obenstehenden AusfŸhrungen des Schwedischen ArchŠologen Bj¿rnar Olsen zu den ãthingsÒ helfen hier weiter, wie man so ein Trumm innerhalb Anna Hofbauers Ausstellung lesen kann. Denn dessen Forderungen an die ArchŠologen, die UntersuchungsgegenstŠnde nicht zu Ÿberinterpretieren, scheint sie selbst an ihren eigenen Kunstwerken vollzogen zu haben. Ihre Titelwahl, vermeintlich pragmatisch und banal, knŸpft hier bewusst an die Verweigerung an, Objekte theoretisch und ideell aufzuladen.

 

Einer bestechend klaren Logik folgend ist demnach z.B. das dreifarbigeTonobjekt Trumm Lucky Cat, ein quaderfšrmiger Tonblock mit Einschnitten und Delle das Trumm Kissen und ein Objekt das komplex geometrisch geformt ist das Trumm Kaeder.

 

Diese eindeutige und stringente VerknŸpfung zwischen Tonobjekt und Titel wird allerdings durch die Holzkonstruktionen auf welche die Tonobjekte gelegt sind, gebrochen. PrŠzise sind deren Grš§enverhŠltnisse auf die Tonobjekte abgestimmt und deren FragilitŠt durch die DurchlŠssigkeit der Konstruktionen aufgegriffen.

 

Die von Anna Hofbauer gebauten Konstruktionsteile, welche an eine Mischung aus MšbelstŸck, Sockel und etwas formalistisch und prekŠren Materialarrangement erinnern, sind mit einem matten Seidenlack in einer Art Hautfarbe gestrichen. Darauf gestapelt befindet sich wiederum eine Art Miniaturholzpalette aus Pressspan und darauf letztendlich das titelgebende Tonobjekt. Hier zeigt sich, wie feinsinnig und komplex Anna Hofbauer auf skulpturaler Ebene ihre Werke konstruiert, die sich in ihrer vermeintlich eindeutigen Stringenz bewusst gegen ihre Kategorisierung stellen.